Aktualisiert am 23. Juli 2026 · Redaktionell verantwortlich: Johannes Hoser (Scalemaker)
Midjourney, DALL·E & Co.: KI-Bilder richtig kennzeichnen
Stand: 23. Juli 2026
Sie haben ein Bild mit Midjourney, DALL·E, Stable Diffusion, Adobe Firefly oder Nano Banana erzeugt und fragen sich, ob der Generator die gesetzlich verlangte Kennzeichnung schon selbst erledigt hat? Die kurze Antwort: teilweise, aber verlassen sollten Sie sich darauf nicht. Dieser Beitrag zeigt, was die gängigen KI-Bildgeneratoren tatsächlich in die Datei schreiben, warum das die Pflicht aus Artikel 50 EU AI Act ab dem 2. August 2026 in der Regel nicht erfüllt, und wie Sie ein generiertes Bild in wenigen Sekunden sauber ergänzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Generator markiert (wenn überhaupt) nur maschinenlesbar. Für die sichtbare Betreiber-Kennzeichnung (Art. 50 Abs. 4) sind Sie verantwortlich, nicht das Tool.
- Die Metadaten der Generatoren überleben den Upload oft nicht. Social-Plattformen und Marktplätze entfernen sie beim Neukomprimieren.
- Kein einziger Generator setzt ein sichtbares Label ins Bild. Genau das ist aber die Ebene, die für Menschen erkennbar sein muss.
- Ihre Rolle ist die des Betreibers (Deployer). Sie nutzen das KI-System und veröffentlichen den Output, also tragen Sie die Offenlegungspflicht.
- In einem Durchgang gelöst: sichtbares EU-Icon, IPTC/XMP, optional C2PA und Wasserzeichen plus Nachweis, mit dem kostenlosen Tool von KI-Kennzeichnung.
Inhalt
- Reicht die Kennzeichnung, die der Generator mitliefert?
- Was die einzelnen Tools einbetten (Übersicht)
- Warum Sie als Betreiber trotzdem ergänzen müssen
- So kennzeichnen Sie ein generiertes Bild richtig
- Grenzfälle: Upscaling, Inpainting, Varianten
- Zusammenfassung
- Häufige Fragen (FAQ)
Eine allgemeine Schritt-für-Schritt-Anleitung unabhängig vom Tool finden Sie unter KI-Bilder kennzeichnen, die rechtliche Einordnung im Leitfaden zur KI-Kennzeichnungspflicht.
Reicht die Kennzeichnung, die der Generator mitliefert?
In den meisten Fällen: nein. Der Grund liegt in der Rollenverteilung der KI-Verordnung. Der Anbieter (Provider) eines Bildgenerators muss synthetische Outputs so markieren, dass sie maschinenlesbar als KI erkennbar sind (Art. 50 Abs. 2). Manche Anbieter erfüllen das über C2PA-Content-Credentials oder ein IPTC-Feld, andere bislang gar nicht. Die für Menschen sichtbare Offenlegung dagegen ist Sache des Betreibers (Deployers), also von Ihnen, sobald Sie das Bild veröffentlichen (Art. 50 Abs. 4).
Selbst wo ein Generator maschinenlesbare Daten einbettet, gilt: Diese Ebene ist fragil. Laden Sie das Bild bei Instagram, TikTok oder einem Marktplatz hoch, wird es neu komprimiert, und die Credentials verschwinden häufig. Das sichtbare Label, das keine Plattform wegkomprimieren kann, setzt kein einziger Generator. Genau diese Lücke müssen Sie schließen.
Merksatz: Der Generator kümmert sich bestenfalls um „Provider-Ebene light". Die Betreiber-Pflicht (sichtbares Label) bleibt immer bei Ihnen.
Was die einzelnen Tools einbetten
Die folgende Übersicht fasst den typischen Stand zusammen. Sie ist ein Erfahrungsbild und kann sich mit jeder Modell-Version ändern, prüfen Sie im Zweifel die aktuelle Datei selbst.
| Generator | Maschinenlesbar (C2PA / Metadaten) | Sichtbares Label im Bild | Was Sie ergänzen müssen |
|---|---|---|---|
| Midjourney | meist keine verlässliche C2PA-Kette | nein | sichtbares Icon + Metadaten |
| DALL·E / ChatGPT-Bilder | C2PA-Content-Credentials üblich | nein | sichtbares Icon (Credentials sichern) |
| Adobe Firefly | C2PA standardmäßig | nein | sichtbares Icon |
| Stable Diffusion (lokal) | in der Regel keine | nein | sichtbares Icon + Metadaten |
| Nano Banana / Gemini | teils SynthID-Wasserzeichen | nein | sichtbares Icon + Metadaten |
Zwei Muster fallen auf: Erstens setzt keines der Tools ein für Menschen sichtbares Label, das bleibt immer Ihre Aufgabe. Zweitens ist die maschinenlesbare Ebene uneinheitlich, von „solide C2PA-Kette" (Firefly, DALL·E) bis „gar nichts" (lokales Stable Diffusion). Wie die Formate IPTC, C2PA und Wasserzeichen technisch zusammenspielen, erklärt C2PA, IPTC & Wasserzeichen.
Warum Sie als Betreiber trotzdem ergänzen müssen
Angenommen, Ihr Generator liefert saubere C2PA-Credentials. Dann sind Sie auf der maschinenlesbaren Ebene bereits gut aufgestellt, solange die Datei nicht neu komprimiert wird. Trotzdem bleiben zwei Pflichten offen:
- Die sichtbare Offenlegung (Abs. 4). Für Deepfakes und täuschend echte Bilder muss ein Mensch ohne Hilfsmittel erkennen können, dass KI im Spiel war. Content Credentials sind unsichtbar, sie erfüllen diese Ebene nicht.
- Die Robustheit gegen Plattformen. Sobald Instagram, TikTok oder ein Marktplatz die Datei anfasst, ist die maschinenlesbare Ebene gefährdet. Das ins Pixelbild eingebrannte Icon überlebt.
Ob Sie überhaupt als Deployer in der Pflicht sind, klärt der Beitrag Provider oder Deployer. Für die allermeisten kommerziellen Nutzerinnen und Nutzer, Shops, Marken, Agenturen, lautet die Antwort: ja. Und bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes (EU-Leitlinien zu den Transparenzpflichten).
So kennzeichnen Sie ein generiertes Bild richtig
Der Ablauf ist unabhängig davon, aus welchem Generator das Bild stammt:
- Sichtbares EU-Icon setzen. Vollständig per Prompt erzeugt? Nutzen Sie das „fully AI-generated"-Motiv. Nur teilweise KI-verändert (z. B. Inpainting an einem echten Foto)? Dann „partially AI-modified". Platzieren Sie es kontrastreich in eine Ecke, sodass Zuschnitt es nicht verdeckt.
- Maschinenlesbar einbetten oder erhalten. Setzen Sie das IPTC/XMP-Feld
DigitalSourceTypeund, wo möglich, C2PA. Liefert der Generator schon Credentials, sichern Sie diese, indem Sie nicht verlustbehaftet neu exportieren. - Nach dem Upload prüfen. Laden Sie die veröffentlichte Version zurück und kontrollieren Sie mit der Datei-prüfen-Funktion, ob Icon und Metadaten erhalten sind.
- Nachweis dokumentieren. SHA-256-Hash und Zeitstempel im Register ablegen, für den Fall einer Nachfrage.
Mit dem kostenlosen Web-Tool von KI-Kennzeichnung erledigen Sie Schritt 1 und 2 in einem Durchgang: Bild hineinziehen, Motiv und Platzierung wählen, exportieren. Das offizielle EU-Icon wird ins Pixelbild eingebrannt, IPTC/XMP (optional C2PA und Wasserzeichen) werden eingebettet, und alles läuft lokal im Browser, ohne dass Ihr Bild auf fremde Server hochgeladen wird. Bei mehreren Motiven aus einem Prompt-Lauf verarbeitet die Batch-Funktion bis zu 50 Bilder auf einmal.
Grenzfälle: Upscaling, Inpainting, Varianten
- Upscale eines KI-Bildes: bleibt kennzeichnungspflichtig, das Bild ist weiterhin KI-generiert.
- Inpainting an einem echten Foto: „partially AI-modified", weil generative Inhalte hinzukommen.
- KI-Variation eines KI-Bildes: unverändert „fully AI-generated".
- Echtes Foto, nur mit KI hochskaliert/entrauscht: in der Regel unkritisch, sofern keine Inhalte generativ hinzukommen. Die Abgrenzung erklärt KI-Bilder kennzeichnen im Detail.
Für täuschend echte Personen- oder Szenendarstellungen greift zusätzlich die strengere Deepfake-Logik, siehe Deepfake-Kennzeichnung. Unklare Begriffe schlagen Sie im Glossar nach.
Zusammenfassung
- Kein Bildgenerator setzt ein sichtbares Label, diese Betreiber-Pflicht bleibt bei Ihnen.
- Die maschinenlesbare Markierung der Tools ist uneinheitlich und übersteht Uploads oft nicht.
- Ergänzen Sie deshalb immer selbst: sichtbares EU-Icon einbrennen, Metadaten setzen bzw. sichern, nach dem Upload prüfen, Nachweis dokumentieren.
- Egal ob Midjourney, DALL·E, Firefly, Stable Diffusion oder Nano Banana, der Kennzeichnungs-Schritt ist derselbe und mit dem Tool auf ki-kennzeichnen.de in Sekunden erledigt.
Häufige Fragen (FAQ)
Kennzeichnet Midjourney meine Bilder automatisch?
Nein, nicht auf der entscheidenden Ebene. Midjourney setzt kein für Menschen sichtbares KI-Label ins Bild, und eine verlässliche maschinenlesbare Herkunftskette ist nicht garantiert. Die sichtbare Offenlegung nach Art. 50 Abs. 4 müssen Sie als Betreiber selbst ergänzen.
Reichen die Content Credentials von DALL·E oder Firefly aus?
Sie decken die maschinenlesbare Ebene ab, solange die Datei nicht neu komprimiert wird. Die sichtbare Kennzeichnung für Deepfakes und täuschend echte Bilder erfüllen Content Credentials aber nicht, weil sie unsichtbar sind. Setzen Sie zusätzlich ein sichtbares Icon.
Muss ich lokal erzeugte Stable-Diffusion-Bilder kennzeichnen?
Ja, sobald Sie sie öffentlich verbreiten. Lokale Setups betten meist gar keine Markierung ein, also müssen Sie sowohl das sichtbare Icon als auch die maschinenlesbaren Metadaten selbst hinzufügen.
Bleibt die Kennzeichnung des Generators beim Upload erhalten?
Oft nicht. Viele Plattformen komprimieren Bilder neu und entfernen dabei Metadaten und teils auch C2PA. Das ins Pixelbild eingebrannte, sichtbare Icon überlebt dagegen. Prüfen Sie nach dem Upload, welche Ebenen erhalten geblieben sind.
Welches Icon-Motiv nehme ich für ein KI-generiertes Bild?
Für ein vollständig per Prompt erzeugtes Bild das Motiv „fully AI-generated". Wurde nur ein Teil eines echten Bildes generativ verändert (Inpainting, Hintergrund), das Motiv „partially AI-modified".
Gibt es ein kostenloses Tool, das Generator-Bilder kennzeichnet?
Ja. Das kostenlose Web-Tool von KI-Kennzeichnung setzt das offizielle EU-Icon, bettet IPTC/XMP (optional C2PA und Wasserzeichen) ein und führt ein Nachweis-Register, unabhängig davon, aus welchem Generator das Bild stammt.
Quellen
- EU-Kommission, Leitlinien zu Transparenzpflichten: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/guidelines-transparency-obligations-providers-and-deployers-ai-systems
- EU-Kommission, EU-Icons zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/eu-icons-labelling-ai-generated-content
- Artikel 50 KI-Verordnung: https://artificialintelligenceact.eu/article/50/
- C2PA, Content Credentials: https://c2pa.org/
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren konkreten Fall konsultieren Sie bitte rechtlichen Rat.